 |
|
Unterfamilie Phrynosomatinae |
Zucht und Aufzucht von
Petrosaurus
Familie Iguanidae
Unterfamilie Phrynosomatinae

|
| * |
| Das
adulte Männchen fängt kurz nach Einschalten von Beleuchtung und Anheben
der Temperaturen mit den Paarungsaktivitäten an. Das typische
Kopfnicken und Liegestütze sind dabei das markante Merkmal. Zwischen
beiden Partnern findet eine Art Kommunikation statt, denn auch das
Weibchen beginnt mit dem Kopfnicken. Teilweise habe ich erlebt, dass
sich alle 3 Tiere der Gruppe während dieser Aktion zunickten.
Es
folgen teils oft wilde Verfolgungsjagden, weil die Weibchen zu Beginn
nicht so paarungsbereit zu sein scheinen. Durch die Schnelligkeit des
Männchens und da es mehr Kraft hat als das Weibchen, kommt es dann
dennoch bald zum Nackenbiss. Trotz allem gelingt es aber den Weibchen
ab und zu sich vom Männchen zu befreien. Meist in der Form, dass es
sich unter Kraftanstrengung in kleine Spalten zurückzieht und dabei das
Männchen abstreift. Sind die Weibchen paarungsbereit, läuft das
ganze Prozedere wesentlich harmonischer ab. Das Männchen nähert sich
dem Weibchen in einer Art Tanz. Das Weibchen hebt den Hinterleib an und
es kommt zur Korpulation mit dem Männchen. | Trächtigkeit, Eiablage & Inkubation:
Eine erfolgreiche Zucht gelingt nur nach Einhaltung einer Winterruhe.
Die
weiblichen Tiere bekommen während der Trächtigkeit eine Art
Trächtigkeitsfärbung. Brust, Kehle, Augenregion und Flanken färben sich
kräftig orange-rot. Die Tiere fressen mehr und nehmen während der
Trächtigkeit an Körperumfang zu. Besonders jetzt ist auf ausreichende
Supplementierung der Futtertiere zu achten. Meine Weibchen bekommen
während dieser Zeit wöchentlich eine Babymaus.
Die Trächtigkeit
dauert im Schnitt 6-8 Wochen. Naht die Eiablage muss ein geeignetes
Ablagegefäß im Terrarium vorhanden sein. Eine beheizte Plastikwanne,
gefüllt mit Sand/Lehm-Gemisch, eignet sich dafür ausgezeichnet. Die
Weibchen unternahmen immer einige Probegrabungen im Terrarium, nahmen
aber schlussendlich die integrierte Ablagebox an, da diese auf 30°C
beheizt ist.
Zum Thema Probegrabungen, Inkubation und Schlupf im
Terrarium habe ich eine ungewöhnliche Beobachtung gemacht, welche ich
im folgenden Absatz schildere. | |
(siehe Beobachtung Terrariuminkubation) | Vom
Weibchen wird in der rückwandintegrierten Plastebox eine Ablagehöhle
gegraben. Günstig erweist sich dabei, eine Holzplatte oder einen Stein
über den halben Plastikbehälter zu legen. So hat das Weibchen einen
Ansatz zum Graben. Die Eier werden meist in die unterste Ecke
des Gefäßes direkt an der Wand abgesetzt. Anschließend wird die Höhle
bzw Gelege wieder zugeschüttet. Die Stelle wird sehr gut verschlossen
und man sieht kaum, dass dort Grabungen statt fanden. Die
Ablagestelle wird meist von dem Weibchen noch mehrere Tage bewacht und
ich meine, es findet sogar eine Art Verteidigung statt. Das Weibchen
nickt mit dem Kopf und zeigt auffällig unruhige Bewegungen sobald sich
andere Terrarieninsassen dem Ablagebehälter nähern. Dieses Verhalten beoachtete ich mehrer Tage, auch als schon längst die Eier von mir entnommen wurden.
Werden
die Eier entnommen, werden sie mittels Stift gekennzeichnet und in
Plastikboxen (Haushaltwaren) mit feuchtem Vermiculit überführt. Das
Substrat füllt fast den halben Plastikbehälter. Die Eier werden zu
einem Viertel in das feuchte Vermiculit gebettet. Meine Gelege
bestanden meist aus 8-16 Eiern. Ein Gelege eines knapp 2 jährigen
Weibchens bescherte mir 27 Eier wovon 24 befruchtet waren und Jungtiere
schlüpften.
Die richtige Substratfeuchte erreiche ich, indem ich
trockenes Vermicult in einen Leinenbeutel schütte und dann Wasser
darüber gieße. Das Vermiculit saugt sich mit Wasser voll. Im Anschluss
wringe ich den gefüllten Beutel aus, bis nur noch wenige Tropfen Wasser
austreten. Das feuchte Gemisch wird dem Beutel entnommen,
aufgelockert und in die Inkubationsboxen gegeben. Dadurch beträgt die
Luftfeuchte in den Substratboxen ca. 90%.
Die Inkubationszeit von blauen Felsenleguanen beträgt bei ca. 30°C etwa 60-80 Tage.
Die
Inkubation der Gelege erfolgt bei mir mittels selbst gebautem
Motorbrüter. Damit habe ich schon jahrelang gute Schlupfergebnisse
erzielt, dies nicht nur bei Petrosaurus. Die optimale
Inkubationstemperatur ist mittels Thermostat/Fühler gut zu halten. Dieser
Motorbrüter funktioniert nach dem Umluftprinzip. Mittels Heizkabel
erwärmte Luft wird ständig an den Substratboxen vorbei geführt.
Die
Nachzuchten werden nach dem Schlupf für 3 Tage in mit feuchtem Zewa
ausgelegte Plasteboxen gesetzt. Diese Boxen befinden sich ebenfalls
weiterhin im Inkubator.
| Aufzucht der Jungtiere:
Aufzucht
und Pflege junger Felsleguane ist ein Thema für sich. Die Jungtiere
sind sehr anfällig gegenüber Störungen, daher sind die Aufzuchtbehälter
meiner Felsenleguane so gebaut und eingerichtet, dass die Tiere sich
einigermaßen sicher fühlen. Die Behälter sind 50x50x50 cm groß, aus
Holz und ganzseitig geschlossen. Seiten,-und Rückwand sind mit
Fließenkleber beschichtet und anschließend mit Sand beworfen.
Steinaufbauten und hohle Korkröhren runden die Einrichtung ab. Besonderst
wichtig fand ich die Ausstattung der Rückwand mit Material, was
zusätzlich Deckung bietet. Dazu nahm ich getrocknete Wacholderzweige.
Die Schlüpflinge konnten sich so zu jeder Zeit mit einem Sprung den
Blicken entziehen, sowohl denen der Artgenossen als denen des Pflegers,
welcher im bzw. am Terrarium hantiert. Die Beleuchtung besteht jeweils aus 2 x 23 Watt Energiesparlampen (Tageslicht) und 2x 35 Watt Halogenspots.
Besonderes Augenmerk ist auf die Besatzdichte zu nehmen.
Männchen können ja an Hand der vergrößerten Postanalschuppen schon nach wenigen Tagen als solche bestimmt werden. Meine
ersten Gruppen beliefen sich aus 5 wahllos zusammen gesetzten
Exemplaren. Gruppen von 2 Männchen und 2 Weibchen folgten einige Zeit
später. Bei beiden Varianten hatte ich Probleme durch Stress und
Unterdrückung zu beklagen. Einige Tiere magerten schnell ab, so dass
eine Separierung geschehen muste. Erneute Versuche aus reinen Weibchen-
und Männchengruppen verliefen ebenfalls nicht gut. Nächste
Vergesellschaftungsversuche bestanden aus der paarweisen (1,1) Haltung
bzw Haltung von 1 Männchen mit 2 Weibchen. Diese Variante sollte dann
die einigermaßen erfolgreiche Aufzucht bringen. Dennoch gab es erneut Probleme, da die Tiere enorm stressanfällig sind, auch was das Hantieren im Terrarium anbelangt. Einige
Exemplare bekamen bei solchen Aktionen eine Art Schockzustand. Die
Tiere fielen in eine Art Starre und fielen auf den Erdboden und lagen
dort regungslos auf dem Rücken. Das Kuriose daran, die meisten Tieren
erholten sich nach 10 min und waren wieder top fit. Andere Tiere
steckten das nicht so schnell weg und verstarben.
Gefüttert
wurden die kleinen Leguane in der Hauptsache mit Wiesenplankton. Eine
zusätzliche Supplementierung habe ich durchgeführt. Ebenso zusätzlich
Muschelgritt und Sepiaschale angeboten. Gesprüht wurde täglich,
wobei auch hier peinlich drauf geachtet werden muss, dass die Tiere
keine Nässe ab bekommen, da sonst wieder mit enormen Stressreaktionen
zu rechnen ist. Wenn möglich sollte man seine Arbeiten am und im
Terrarium auf das Nötigste beschränken. Teils habe ich sogar die
Behälter mit Tüchern abgehangen.
Im Alter von 4-6 Monaten sind
alle Sorgen vergessen. Die Tiere sind dann aus dem Gröbsten raus und
viel weniger anfällig. Die meisten Tiere zeigen kaum noch Scheu vor dem
Pfleger, auch die Stressreaktionen sind völlig verschwunden. Jungtiere
eines Jahres kommen bei mir nicht in Winterruhe, werden bei normal
üblichen Terrarientemperaturen überwintert. Ich denke aber mal
gesunden, kräftigen Tieren würde eine kurze Winterruhe nicht schaden.
Die
Weibchen können mit 8-10 Monaten schon geschlechtsreif werden.
Ausgewachsen bzw ihre volle Endgröße haben sie dabei aber noch nicht
erreicht. Tiere unter 18 Monaten würde ich persönlich noch nicht zur Nachzucht bringen.
|
| Beobachtung: Inkubation und Schlupf von P. thalssinus im Terrarium |
|
Das
Terrarium beherbergte neben 1,3 Sauromalus ater unter anderem 1,2
Petrosaurus thalassinus. 1,1 Felsenleguane sind mit ca. 30
cm ausgewachen. Das 2. Weibchen hat eine GL von ca. 23 cm, ist somit
noch nicht ganz ausgewachsen.
Die beiden Schlüpflinge , die ich
aus dem Terrarium fischte, mussten erst wenige Stunden oder gar Minuten
alt sein, da noch ein Stück Dottersack zu sehen gewesen ist und die
Tiere relativ feucht waren. Die kleinen konnten theoretisch nur aus
Eiern vom jüngeren Weibchen stammen. Auch bei Petrosaurus
thalassinus ist eine Inkubation im Terrarium (bei Tag/25°C-35°C -
Nachtrythmus/18°C-20°C) und relativ trockenem Substrat (Sand) möglich.
Dem
jüngeren kleineren Weibchen habe ich keine Trächtigkeit an der
Leibesfülle angesehen (ca. 18 Monate alt). Jedoch konnte ich den Sommer
über eine intensivere Orangefärbung der Kehle und Brust beobachten, was
ich aber eher als eine Art Umfärbephase des Tieres gedeutet habe bzw
nicht so für bare Münze nahm, weil mir das Tier für eine Trächtigkeit
noch zu klein vor kam. Paarungen konnte ich ebenfalls nicht
beobachten. Die 2 Schlüpflinge sahen recht fit aus.
|
| * |
| Tag-Nachtschwankungen im Terrarium.
Temperaturschwankungen am Gelege sind im Habitat meist abhängig von der Ablagetiefe im Substat. Einige
Echsen/Gelege vertragen keine Temperaturschwankungen im Terrarium. Das
sind meist Arten die im Habitat ihre Gelege relativ tief vergraben.
(Solche Tiefen sind im Terrarium kaum realisierbar.) Andere
Arten/Gelege stecken Temperaturschwankungen sehr gut weg, ja es fördert
sogar die Vitalität der später schlüpfenden Jungtiere. Diese Leguanart stammt aus Niederkalifornien/Baja California (Mexiko),
wo an sich doch relative Tag-Nachtschwankungen (Tag über 30°C und nacht
unter 20°C) vorherschen. Leider fehlen mir Informationen wie sich das bei den Felsenleguanen verhält. (Ablagetiefe).
Zumindest
ist eine Inkubation gelungen, trotz eines Tag-Nachtgefälles von ca.
5°-7°C. Wobei auch an der Eiablagestelle irgendwo im Terrarium, die
nirgends über 10 cm Substrattiefe (außer im abgestellten
Eiablagebehälter) aufweist, des Nachts die Temperaturen absinken. Scheint also, das Gelege diese Leguanart gewisse Temperaturschwankungen tolerieren. Wie lange die Inkubationszeit im Terrarium dauert kann ich nicht sagen. |

© 2008 Jens Hauke - TerraSauria-Team
zu "Petrosaurus - Felsleguane" |

|