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Taubagamen im Terrarium
von Jürgen Bednarski

Tympanocryptis tetraporophora
LUKAS & FROST 1895

Taubagamen im Terrarium
von Sebastian Buschulte
Systematik
Systematisch wurden in der Gattung in letzter Zeit teilweise wechselnde Arten zugeordnet, vorgenommene Unterartzuordnungen haben sich nicht durchgesetzt. Laut EMBL Database (DGHT AG Systematik) werden momentan folgende Arten anerkannt:

Beschreibung

Die Taubagamen der Gattung Tympanocryptis sind die kleinsten bekannten Agamen aus Trockengebieten.

Taubagamen bewohnen Steppengebiete und Wüstenränder jeweils endemisch auf dem ganzen australischen Kontinent. Namensgebend ist die Tatsache, dass die Tiere über keine sichtbare Ohröffnung verfügen, ein vollständiger Hörapparat ist jedoch vorhanden (griechisch: Tympanon = Trommelfell, kryptos = verborgen).

Das Verbreitungsgebiet von Tympanocryptis tetraporophora erstreckt sich über West-Australia, Kimberley-Division, New South Wales, North Territory, Queensland, South Australia sowie Victoria, als Terra typica ist Adminga und Dalhousie, South Australia, angegeben. 
T. tetraporophora wird als einzige Art der Gattung in unseren Terrarien gepflegt und inzwischen zum Glück auch recht erfolgreich vermehrt.

Unter Umständen sind in Europa auch noch einige Tiere der Art T. lineata vorhanden, aufgrund der teilweise recht ungenauen Zuordnung gilt dies jedoch nicht als gesichert.

Die Art erreicht eine Gesamtlänge von bis zu 14 cm, wovon etwas mehr als die Hälfte auf den Schwanz entfällt, daher auch der englische Trivialname Longtailed Earless Dragon. Auffallend bei den kleinen Echsen sind die feingliedrigen Extremitäten und die sehr kleinen Augen.

Die Tiere sind rötlich braun gefärbt mit teilweise vorhandener Querbänderung, welche am Schwanz wesentlich deutlicher wird. Die Bauchseite ist hellbeige bis weiß. 
Eine Unterscheidung der Geschlechter ist ab ca. dem fünften Lebensmonat an der deutlich verdickten Schwanzwurzel der Männchen möglich. Ein weiteres Merkmal ist die Graufärbung der Köpfe bei trächtigen Weibchen.

Männchen Pärchen Männchen
Terrarienhaltung

Die Pflege der tagaktiven Agamen im Terrarium ist in Gruppen möglich, wobei jedoch zu beachten ist, dass auch in größeren Becken jeweils nur ein Männchen vorhanden sein darf. Die Territorialität der Tiere würde unweigerlich dazu führen, dass unterlegene Männchen über kurz oder lang stressbedingt eingehen. 
Da die Tiere sich meist nicht offen bekämpfen und verletzen ist es leider meist zu spät, wenn die fortschreitende Unterdrückung vom Pfleger bemerkt wird. Weibchen können mehrere zusammengehalten werden.

Bei der Größe des Behälters sollte auf jeden Fall die Aktivität der Tiere berücksichtigt werden, zur Pflege einer Gruppe von 1,2 bis 1,3 Tieren würde ich als Mindestmaß 100 x 50 x 60 (LxBxH) ansehen. Die Tiere klettern gern, was ebenfalls bei der Beckeneinrichtung und Rückwandgestaltung zu berücksichtigen ist. Als Bodengrund sollte ein grabfähiges Sand-Lehm-Gemisch angeboten werden. 

Wie bei allen heliophilen Tieren ist besonderes Augenmerk auf eine hochwertige Beleuchtung zu legen. Um die notwendige Helligkeit zu erreichen, haben sich HQI-Lampen und T5-Röhren bewährt, Wärmeplätze werden mit den gängigen Spotstrahlern geschaffen. Es sind Grundtemperaturen von 25° bis 30° C zu gewährleisten, an den Sonnenplätzen sollten 45° – 50° C Grad herrschen. Auf jeden Fall müssen im Terrarium kühlere Rückzugsmöglichkeiten von 22° - 24° C angeboten werden.

Die relative Luftfeuchte sollte idealer Weise am Tag zwischen 30 und 40 % betragen, durch abendliches Sprühen ist diese nachts zu erhöhen, die Temperaturen können hier auf normale Zimmerwerte zurück gehen. 

Da Taubagamen ein recht hohes Flüssigkeitsbedürfnis haben, ist ein flaches Trinkschälchen im Becken einzubringen. Die Tiere liegen auch gern im flachen Wasser, daher könnte man vermuten, dass unter Umständen auch Flüssigkeit über die Haut aufgenommen wird, wie es zum Beispiel von Echsen der Gattung Cordylus bekannt ist. 

Als reine Ansitzjäger fressen die Tiere alles an angepasst großen Insekten, was sie bewältigen können. Gelegentlich wird auch pflanzliche Nahrung angenommen. Auf eine ausreichende Supplementierung des Futters ist besonders bei trächtigen Weibchen zu achten, in diesem Zusammenhang ist auch die notwendige Versorgung mit UV-B Strahlung zu erwähnen.

Für das Wohlbefinden der Tiere, aber auch für eine erfolgreiche Vermehrung, ist eine 6 – 8 wöchige Winterruhe einzuhalten. Hierfür ist es m. E. ausreichend, die Beleuchtungsdauer entsprechend zu verkürzen, von über das Jahr 14 Stunden auf ca. 8 Stunden, sowie die Temperaturen um ca. 5° C abzusenken. Nahrung wird in dieser Zeit nicht benötigt, die Trinkschale mit frischem Wasser ist im Becken zu belassen.

Bald nach Beendigung dieser Ruhephase werden die Männchen mit der Balz beginnen. Die häufigen Kopulationen erfolgen nach eifriger Verfolgung der Weibchen in echsentypischer Manier (Nackenbiss) und dauern meist nur wenige Sekunden. 

Die Trächtigkeitszeit ist mit ca. 6 Wochen für solch kleine Echsen recht lang, ja in letzter Zeit wurden auch noch längere Graviditätszeiten beobachtet.

Spätestens jetzt ist im Terrarium ein mindestens 20 cm tiefer, leicht feucht gehaltener, Ablageplatz zur Verfügung zustellen. Nach ausgiebigen Probegrabungen legen die Weibchen hier normalerweise 6 – 10 weichschalige Eier ab, die eine Größe von ca. 6 x 10 mm haben. Die Weibchen sind zur Samenspeicherung (Amphigonia retardata) fähig. Das Gelege wird vorsichtig geborgen und in leicht feuchtes Vermiculit gebettet in einen geeigneten Inkubator überführt.


Jungtiere trächtiges Weibchen Jungtiere

Bewährt hat sich die Zeitigung der Eier in geschlossenen Dosen in sogenannten Motorbrütern. Es ist in jedem Fall zu vermeiden, dass Wasser auf die Gelege tropft, da dies zum Absterben der Eier führt. Das Brutsubstrat ist gleichmäßig feucht zu halten.
Bei Inkubations-Temperaturen von 29° C schlüpfen die kleinen Taubagamen nach ca. 45 Tagen. Sie werden dann in Aufzuchtbecken überführt, die in Einrichtung und klimatischen Bedingungen denen der Adulti entsprechen.

Die Schlüpflinge können zunächst in Gruppen von vier – fünf Tieren gehalten werden. Nach ca. 4 – 5 Monaten kommt es zu ersten Rivalitätskämpfen unter Männchen, so das hier erhöhte Vorsicht geboten ist und die kleinen Agamen ggf. zu trennen sind. Bei ausreichender Versorgung mit kleinstem Futter gestaltet sich die Aufzucht der Jungtiere im Allgemeinen als problemlos.

Taubagamen sind putzige, kleine Terrarienbewohner, die dem Pfleger bei Beachtung des Vorstehenden viel Freude bereiten werden. Man geht von einer durchschnittlichen Lebensdauer von 5 – 6 Jahren aus.
Tympanocryptis unterliegt keinem besonderen Schutzstatus.

© 2008 Peter Fritz - TerraSauria-Team
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Literatur

MÜLLER, H. D. (1998):Die australische Agame Tympanocryptis tetraporophora im Terrarium, Elaphe 6 (4): 2-6, Rheinberg (DGHT)

ACKERMANN, T. & P. FRITZ (2006): Australische Taubagamen Tympanocryptis tetraporophora, IGUANA-Rundschreiben 19 (1), 17 - 28, Rheinberg (DGHT)

COGGER, H. G., CAMERON, E. E., COGGER, H. M. (1983): Zoological Catalogue of Australia, Vol. 1 Amphibia and Reptilia. Canberra (Australian Government Publishing Service), 313 S.

GREER, A.E., SMITH, S. (1999): Aspects of the morphology and reproductive biology of the Australian earless dragon lizard Tympanocryptis tetraporophora. Australian Zoologist 31(1):1-16, Mosman NSW

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