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Laudakia stellio
LINNAEUS 1758

Innerhalb der großen und in ständigem Wandel befindlichen Gattung Laudakia gehören die Hardune oder auch Schleuderschwanzagamen der Art Laudakia stellio zu den Echsen, die auch in Europa heimisch sind. Daraus ergibt sich, dass alle Unterarten streng geschützt sind nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, kurz FFH-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen) sowie der Bundesartenschutzverordnung BartSchV. Dies gilt hier auch für die Unterarten, die auf dem europäischen Kontinent nicht vorkommen, da die Zuordnung zu diesem Schutzstatus jeweils die komplette Art einschließlich aller Unterarten umfasst.
Systematik

Zur Zeit sind folgende Unterarten anerkannt:

Laudakia stellio brachydactyla HAAS 1951
Laudakia stellio cypriaca DAAN 1967         
Laudakia stellio daani BEUTLER & FRÖR 1980
Laudakia stellio picea PARKER 1935           
Laudakia stellio salehi WERNER 2006         
Laudakia stellio stellio LINNAEUS 1758       
Laudakia stellio vulgaris LATREILLE 1801    


Hardune sind kräftige Echsen mittlerer Größe aus ariden Gebieten. Der Lebensraum erstreckt sich über wüstennahe, felsige Gebiete (z. B. L. s. picea, L. s. brachydactyla) bis hin zu offenen Baumlandschaften, wo z. B. L.s. daani mit ihrer teilweise arborealen Lebensweise anzutreffen ist.
Auch kann man Hardune durchaus als kulturfolgend bezeichnen, z. B. L. s. stellio bewohnt gerne Legsteinmauern in der Nähe menschlicher Ansiedlungen. Hier folgen die Tiere auch gern den Menschen bei der Feldarbeit, um sich an den dabei aufgescheuchten Insekten laben zu können.

Allen Hardunen gemein ist der kräftige, mindestens körperlange Schwanz mit seinen deutlich ausgeprägten Wirtelschuppen, wovon sich der Trivialname Wirtelschwanzagame ableitet. Wie nahezu alle Agamen sind Hardune ausschließlich tagaktiv.
Die Art ernährt sich hauptsächlich von tierischer Nahrung, vorwiegend Insekten, aber auch kleine Wirbeltiere wie Nager und Echsen werden nicht verschmäht. Gerne werden auch je nach Angebot Pflanzen und ihre Blüten gefressen.

Alle sieben Unterarten der Gattung wurden bereits erfolgreich im Terrarium gehalten und großenteils auch dort vermehrt.

Männchen Männchen 1,2 Gruppe

Besonderer Beliebtheit in unseren Becken erfreut sich die kleinste Unterart
 
Laudakia stellio picea
PARKER 1935


Beschreibung
Die Unterart ist beheimatet in Südwestsyrien, Nordwestjordanien, dem Südlibanon und Nordisrael. Terra typica ist die Vulkanwüste („Black Lava Desert“) Transjordaniens.

Laudakia stellio picea erreicht eine Körper-Rumpf-Länge von ca. 12 cm bei einer Gesamtlänge von maximal 25 cm. Die Grundfärbung ist dunkel bis schwarz mit gelben bis orangefarbenen Punkten, die in angedeuteten Querbändern angeordnet sind. Die Bauchfärbung ist bei den Weibchen hellbeige bis weiß, bei den Männchen dunkelgrau bis fast schwarz.

Die Männchen können besonders in der Paarungszeit an den vorderen Extremitäten und „Schultern“ eine stahlblaue Färbung annehmen. Als weiteres Merkmal zur Geschlechtsunterscheidung haben männliche Hardune eine Art Hautfalte, die kurz über der Kloake beginnt und ungefähr bis zur Bauchmitte reicht. Ob diese einer Narbe ähnliche Falte eine Bedeutung oder Funktion hat, ist m. E. nicht bekannt.
Terrarienhaltung
Trotz ihrer recht geringen Größe tut der Pfleger gut daran, diesen Schleuderschwanzagamen großzügig bemessene Terrarien anzubieten, die Tiere werden es mit ihrer Aktivität danken. Daher würde ich als Mindestmaß 120 x 60 x 80 cm (BxTxH) ansehen, besser noch größer.

Wichtig ist eine felsig gestaltete Rückwand, in der sich die Tiere meist aufhalten. Als Bodengrund empfehle ich Sand oder ein Sand-Lehm-Gemisch, um ein zur Eiablage grabfähiges Substrat zu schaffen. Einige Kletteräste sowie eine Trinkschale vervollständigen die Einrichtung.
Es dauert manchmal einige Zeit, bis die Tiere sich eingewöhnen, aus dem Habitat wurde mir von Fluchtdistanzen von über 20 m berichtet.

Wichtig wie für alle heliophilen Echsen ist eine hochwertige Beleuchtung, die notwendige Helligkeit wird durch HQI – Strahler und / oder T5 – Leuchtstoffröhren erreicht, mittels Spotstrahlern werden Sonnenplätze geschaffen, die eine Temperatur von bis zu 60° C aufweisen sollten.
Grundtemperatur im Becken sollte zwischen 24° und 30° C betragen bei einer Nachtabsenkung auf Zimmertemperatur. Eine regelmäßige Bestrahlung mit UVB-Licht ist sicherzustellen. Tagsüber sollte die relative Luftfeuchte um 30% betragen.

trächtiges Weibchen Jungtier

Nach einer 2 – 3 monatigen Winterruhe werden die Männchen beginnen, unter heftigem Nicken und „Liegestützen“ den Weibchen nachzustellen. Bei ausreichender Beckengröße empfiehlt es sich, Gruppen von 1,2 bis 1,4 Tieren zu halten, mehrere Männchen sollen nicht in einem Becken gepflegt werden.
Nach einer Gravidität von wahrscheinlich bis zu sechs Wochen vergraben die Weibchen normalerweise zwischen 5 und 10 weichschalige Eier im leicht feucht gehaltenen Bodengrund.

Bei 29° erblicken die kleinen Hardune meist nach knapp 60 Tagen das Licht der Welt. Die Schlüpflinge werden in geeignete Aufzuchtterrarien überführt, die die Klimaparameter der Adulti aufweisen.
Es wird empfohlen, darauf zu achten, dass die kleinen Hardune regelmäßig etwas Flüssigkeit aufnehmen, was normalerweise durch Auflecken von Sprühwasser geschieht. Bis jetzt erwies sich die Aufzucht der Nachzuchten bei mir stets als problemlos. Die Geschlechtsreife wird mit ca. 1 Jahr erreicht.
Leider führen Hardune noch immer ein Schattendasein in unseren Terrarien. Es wäre schön, wenn sich das ändern würde und sich mehr Liebhaber mit der Haltung und Nachzucht dieser schönen, bei optimaler Haltung äußerst aktiven Echsen befassen würden. 
© 2008  PETER FRITZ  TerraSauriaTeam

mail

Literatur
LIEKMEIER, M. & T. TACHWALY (2006): Kleine Agamen ganz groß - Laudakia stellio picea (Parker 1935) 
(Reptilia: Squamata: Agamidae) im Terrarium. IGUANA-Rundschreiben 19 (2): Rheinberg (DGHT)
CHILDRESS, J. R. (1970): Observations of the reproductive cycle of Agama stellio picea. Herpetologica, 26:
MANTHEY, U. & N. SCHUSTER (1992): Agamen. Münster, Herpetologischer Fachverlag
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